Dienstag, 29. November 2016

Der Mann ohne Zigarette



1. Tag


Heute am Weltnichtrauchertag versuche ich es nun noch ein letztes Mal- Ich versuche es, mich endgültig von dieser äußerst ekelerregenden Sucht zu befreien!
Ob ich es schaffe? Keine Ahnung! Meinen Blog nutze ich an dieser Stelle als mein ganz persönliches "Nichtraucher-Tagebuch". Zudem benutze ich auf meinem Taschentelefon die "Rauchfrei-App". Eine von vielen Applikationen für den "Mann ohne Zigarette", ohne "Zippo" und dem dazu passendem, flachem Zigaretten-Döschen aus verchromten Metall. Schön flach, mit einer Füllmenge von maximal sechs Zigaretten für unterwegs und sonst wo.

Wieso der Sinneswandel, so plötzlich? Keine Ahnung wo ich da anfangen soll. Es gibt eigentlich nur Gründe die dagegen sprechen. Jeder Raucher weiß wovon ich spreche/schreibe. Was mich gerade, persönlich ganz besonders stört, ist der wirklich, wirklich schlechte Atem. Hinzu kommt ein extrem gesteigerter Kaffeekonsum, mit ständig anhaltender Appetitlosigkeit und einem leichten kribbeln in den Fingerkuppen, sowie in den Zehenspitzen. Ich kann aber noch viele weitere Aspekte aufzählen, wie z.B.:

Schlappe Spermien, wie schon erwähnt, ein schlechter Atem, Luftnot schon bei geringer Anstrengung (z.B. Wasserkästen in den zweiten Stock tragen), ein Verzicht auf das Frühstück (stattdessen bevorzuge ich das sogenannte "Nutten-Frühstück" auf dem Balkon: "Kaffee+Zigaretten"), mit das Schlimmste jedoch ist, dass ich meinem Kind zu Abend keinen "Gute-Nacht-Kuss" mehr geben kann, weil ich es als sehr unangenehm empfinde. etc., pp...

Die Aufzählung könnte ich noch um einiges verlängern, doch es bringt ja doch nichts! All das Reden bringt nichts. Frei nach dem Motto: "Nicht sagen, machen!"



1 Tag, 22 Stunden und 10 Minuten...

...ein Mann ohne Zigarette. Puhh! Emotional habe ich heute alles durchgemacht was nur geht. Verdammt! Ich hatte es mir einfacher vorgestellt. Obwohl es bis jetzt geklappt hat, ich mir auch ziemlich sicher bin, dass es weiterhin gut klappen wird, frage ich mich doch an dieser Stelle:

"Wieso tust du dir diesen Stress in deinem Urlaub an, in der Vorweihnachtszeit! Als ob diese Zeit nicht so schon stressig genug ist! Was denkst du dir eigentlich dabei?"  

Es ist eben genau so wie es ist. Ich bin sehr unzufrieden, als stinkender Raucher durch die Weltgeschichte zu wandeln. Auf meine gesamte Lebensspanne bezogen ist es jetzt noch nicht zu spät damit aufzuhören, im Alter wäre es eine zusätzliche Krankheitsquelle. Zudem leide ich nicht unter einer chronischen "Borderline-Störung", rauchen ist nichts anderes, als ein extrem selbstschädigendes Verhalten. Außerdem habe ich keine Lust mehr, mein "nicht rauchendes Umfeld" mit stinkendem, schadstoffhaltigem Zigarettenqualm zu belästigen.

Hört sich beim Lesen wirklich alles gut an, tolle Argumente die da gegen das Rauchen sprechen, doch trotzdem würde ich mir zwischendurch echt gerne eine Zigarette anstecken, dabei einen Kaffee trinken und fünfe gerade sein lassen...

Jetzt nicht schwächeln! Es geht schon!!  

4 Tage, 22 Stunden und 27 Minuten

Wie bereits erwähnt, ich werde es schaffen. Der Wille ist einfach zu stark, um jetzt aufzugeben. Ich habe es durchgehalten. Trotz einer Unterbrechung während meines Urlaubs, d.h. ich war sogar inzwischen wieder arbeiten in der Nacht. Gerade in der Nacht hätte ich mindestens eine Zigarette ganz entspannt rauchen können, doch ich tat es nicht. Stattdessen aß ich Obst, kleine Gemüsehäppchen und ein wenig süßes Gebäck aus dem Spanischen-Laden ums Eck. 

Ich bin echt zufrieden mit mir und meinem Erfolg. Trotz Alkohol-Konsum, ein Treffen bei Freunden und Langeweile allein zu Hause, habe ich es bis hierhin geschafft. Selbst das leckere Becks Spezial (1873 Pils, Alk. 6,0 % Vol.) schmeckt mir eisgekühlt wie eh und je. All dies ganz ohne Nikotin, Teer und (Gott weiß welche) Giftstoffe im Hals u Rachenraum. 

Ich bleibe weiterhin standhaft und werde, so habe ich es mir vorgenommen, die ersten einhundert, rauchfreien Tage, unter dem Titel: "Der Mann ohne Zigarette." an genau dieser Stelle in meinem Blog dokumentieren.   

6 Tage, 9 Stunden und 16 Minuten  

Es ist deutlich einfacher geworden. Die Morgen ohne einen Kaffee, ohne die erste Zigarette des Tages, draußen auf dem kalten Balkon. Stattdessen esse ich vom ersten Tag an, ein frisches Brötchen oder ein Müsli, mit O-Saft oder Obst. Ist alles nicht so schwer wie ich dachte...

Mir ist nur aufgefallen...

Als am Wochenende rauchender Besuch bei uns zu Gast war, qualmend auf dem Balkon stand, danach wieder das Wohnzimmer betrat, empfand ich den Geruch, den Raucheratem im Raum, eher als unangenehm. Normalerweise würde ich da überhaupt nicht drauf achten. Ich habe es registriert und musste kurz darüber nachdenken, denn vor einigen Tagen, war ich noch derjenige der vom Balkon kam.

Jedenfalls möchte ich kein nörgelnder "Mann ohne Zigarette" sein, ich möchte stets tolerant gegenüber Rauchern sein. Mehr noch, trotz alldem empfinde ich sogar Solidarität ihnen gegenüber. Wahrscheinlich werde ich im Laufe der Zeit meine Meinung ändern, jedoch war ich vor einigen Tagen selbst noch ein Raucher und daran erinnert man sich ein ganzes "Rest-Leben" lang.  

8 Tage, 9 Stunden und 10 Minuten 

Es geht immer weiter, es geht schon!

Mittlerweile klappt es tatsächlich immer besser und besser. 
Besser mit den regelmäßigen Mahlzeiten, der körperlichen Belastbarkeit, einem sehr viel besseren Atem, und der Durchblutung bis hinein in die Fingerkuppen und Zehen, sprich ich friere, trotz der Minustemperaturen, nicht mehr so schnell wie vorher. 

Es gibt nach wie vor immer wieder Momente in denen ich regelrecht in meine Jackentasche greife und nach meinen Zigaretten suche. Es gibt Momente da denke ich ganz intensiv an eine qualmende Zigarette, einem Kaffee und verbinde dieses Ritual mit Entspannung. Ganz klar und deutlich, sehr stark verspüre ich des öfteren das Verlangen nach einer Zigarette.

Doch mit ein paar Tricks überliste ich mein Suchtgedächtnis relativ einfach und effizient, so dass ich erst gar nicht in Versuchung komme. Alles nur neurobiologische Abläufe, die gut zu händeln sind. Doch z.Z. habe ich nach wie vor Urlaub, nur noch einige Tage. Wie wird es wohl ab der nächsten Woche werden? Wenn der ganz normale Alltag wieder beginnt, werde ich erst einmal leichte Probleme bei der Umstellung haben. Jedoch bin ich mir sehr sicher in stressigen Situationen rauchfrei zu Handeln.