Samstag, 24. September 2016

Donnerstag, 22. September 2016

Eine neue Epoche 1


 


„Lies doch etwas, wenn du nicht schlafen kannst!“ Ich denke mir: „Wieso lesen, wenn ich doch auch schreiben kann.“ Ich lese tatsächlich mal wieder ein Buch. Ein ganz besonders gutes Buch über Carlos Castaneda, mit dem Titel „Das Vermächtnis des Don Juan: Das Wissen der Tolteken in einer neuen Epoche“.

Eine neue Epoche hat begonnen, selbst ich habe dies nun gemerkt.

Ich stecke gerade mal wieder mittendrin. Ganz anders, sehr intensiv, mit teilweise schlaflosen, schwer traumlastigen, manchmal extrem kurzen Nächten. Nächte unter sternklarem Himmel, unter einem hell scheinenden Mond. Kurze Nächte nach sehr ereignisreichen Tagen in der Pflege, in der Familie.

Eine neue Epoche 2





Ich schreibe in Gedanken einen Brief. Adressiert an niemand anderen als an Frau H.

Ich fühle mich wie damals, wie damals an der Front. Ich schreibe diesen Brief an die Heimat, denke dabei an längst vergangene Tage. Wie unbeschwert, ahnungslos ich doch damals war. Ein großes Stück Ignoranz, Egoismus und ein stets greifbarer, süßlich schmeckender Cocktail aus völliger Verantwortungslosigkeit trübten mir damals meine Sinne. Doch ganz sinnlos war es nicht. Überflüssig schon, doch sinnlos nicht! Es ergibt alles einen Sinn, heute kann ich diese Tatsache behaupten, denn ich kämpfe gerade an der Front und schreibe diesen Brief an die Heimat.



Damals lebte ich in den Tag hinein, es war mir nicht bewusst, scheinbar ohne ein Bewusstsein, konnte ich sehr gut verdrängen. Die damalige Zukunft, die Gegenwart heute, hätte mir wahrscheinlich zu viel Angst bereitet. Heute jedoch, sehe und erkenne ich täglich und akzeptiere die Schwere, verbunden mit all den Problemen. Probleme für die es Lösungen auf professioneller Ebene gibt. Mir jedoch geht es jetzt vielmehr um die Profession, als um die Professionalität. Dabei muss ich immer wieder an Konfuzius denken, denn Konfuzius sagt: „Liebe deinen Beruf, und du wirst nie wieder arbeiten.“

Eine neue Epoche 3



Liebe Frau H., an ihnen ist ein Konfuzius vorbei gegangen. All die Gespräche in ihrem asiatisch kleinem Büro. Im Bildungszentrum, im Schatten des hiesigen Krankenhauses, gleich einen Steinwurf entfernt von unserer Wohnung am Kreisverkehr. Eine Frau wie sie hätte man damals mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Ich sehe sie noch vor mir, wie sie da sitzen, zwischen einem Stapel noch nicht korrigierter Klausuren, durcheinander auf dem Tisch, lauter Bücher im Regal und irgendwo, ganz unscheinbar ein gefaltener Kranich, Origami. Am Fenster, ihr großer, flackernder Bildschirm, davor die Tastatur, daneben ein angebissener Apfel im Sonnenschein, ausgestattet mit den allerneusten Spielereien aus der Softwareentwicklung und der Wissenschaft der Pflege.



Das innere Augenmerk jedoch, stets gerichtet auf die soziologischen Entwicklungen unserer Zeit. Sie teilen ihren Wissensschatz mit den Schülern die es wissen wollen. Wie ich diese Momente doch vermisse, Momente die mir damals so unangenehm waren. Heute jedoch, ganz unbefangen und nackt, völlig entblößt, auf dem Boden der Tatsachen angekommen, könnten wir uns darüber unterhalten, was es heißt, wenn die Theorie mit voller Brutalität gegen die unbarmherzige Arbeit im Altenheim prallt.

Eine neue Epoche 4




Wieso tun wir uns all dies an?

Ganz gewiss nicht des Geldes wegen! Es ist mein Wunsch gewesen, ich habe mich entschieden! Ich war noch nie so glücklich wie heute, wie gleich, wenn ich wieder mit meinen Kopf unter dem blauen Kasach abtauche und meinen Dienst beginne. Nur deshalb gehe ich dieser Tätigkeit nach, weil es mich voll des Glückes erfüllt. Ganz egal wie anstrengend es ist. Wichtig und ausschlaggebend für mich und viele andere aus meiner Gilde: „Verliere nicht deinen Verstand!“ Ich bediene mich meines Verstandes, wie soll ich auch anders. Ich sehe und höre viel. Ich kann es auch riechen und es ganz deutlich fühlen. Ich gehe an dieser Stelle nur kurz auf die teilweise unmenschlichen Rahmenbedingungen ein. Dabei beziehe ich mich unweigerlich auf die Vorstellung von Menschen mit einem sauberen Hemd, und mehr als funktionellen Firmenwagen. Ich denke dabei an parfümierte Menschen die den Takt vorgeben. Diese Personen von denen ich schreibe, sollten ein Praktikum bei uns im Heim absolvieren, sie sollten ihre Sinne schärfen und mit meinem blauen Kasach mitlaufen. Doch nun genug der Worte.

Eine neue Epoche 5




Mein Herz schlägt mit all jenen, die kot-, blutverschmiert, schwitzend, bis das Wasser den Arsch hinunter läuft, Tag für Tag ihre Arbeit verrichten. Mein Herz schlägt, es schlägt seinen eigenen Rhythmus zu einem Trauerlied sondergleichen.

Die andere Seite jedoch, ist eine ganz besondere Seite. Ich bin froh sie so wahrnehmen zu dürfen. Die Herzlichkeit, unermessliche Dankbarkeit, ganz ohne Worte, rein gefühlt und sehr stark wahrgenommen. Dies ist der echte Lohn für eine Arbeit, die einem sehr viel abverlangt.

Es fällt mir schwer, denn ich gelange mit meinen Worten rasch an meine Grenzen. Wo hingegen meine Gefühle und Gedanken scheinbar schirr grenzenlos sind. Es ist wirklich sondergleichen schwer zu beschreiben. Ich versuche es mal so:

Unbegreiflich schön ist...

Dort wo viele Menschen von außen betrachtet nur Fäkalien sehen, beginnt für mich die wahre und einzigartige Schönheit des Lebens!

Dienstag, 6. September 2016

Gedanken auf dem Balkon




Ich stehe auf dem Balkon und sehe. Ich stehe dort und höre. Weiterhin stehe ich, an das Geländer gelehnt und stecke mir eine Zigarette an. Ich trinke einen kleinen Schluck aus der grünen Bierflasche, welches ich vor nicht länger als einer halben Minute geöffnet habe. Ich trinke und rauche. Es ist befriedigend. Nicht wirklich gut, lediglich nur befriedigend. Nebenbei bemerkt, um mich herum ist es dunkel. Dunkelheit. Nicht ganz dunkel. Die Sterne am Himmel leuchten. Der Mond ist leider nicht zu sehen. Zwischen den Sternen sehe ich die Blinklichter der kurz zuvor gestarteten oder sich im Landeanflug befindenden Flugzeuge. Ich denke an Charles Lindbergh und schließe die Augen. Ich höre die Turbinen dieser fliegenden Reisebusse. Denke an meinen letzten Flug und ich sehe mich in einem dieser Passierflugzeuge, im Landeanflug auf den Heimatflughafen. Meine Augen, nach wie vor fest verschlossen. Ich höre wie ein Apfel aus dem Baum durch das Blätterwerk zu Boden fällt. Ich denke an Isaac Newton und erfreue mich an dem dumpfen Ton des Aufschlags. Ich öffne die Augen wieder. Ich ziehe an meiner Zigarette und trinke einen großen Schluck Tsingtao. Ich denke an China und die Ein-Kind-Politik. Staatlich erlaubt sind seit 2015 jedoch zwei Kinder, denke ich. Die Volksrepublik China, Zwei-Kind-Politik, scheiß Kommunismus, denke ich des weiteren. Meine Augen geöffnet, meine Gedanken abschweifend, verloren, irgendwo zwischen China und dem Niemandsland. Ich denke an die Beatles, denke an Nowhere Man. Dabei sehe ich wie das abschreckend helle Licht auf dem Garagenhof des angrenzenden Grundstücks angeht. Eine Katze streift durch das Revier einer anderen Katze. Ich denke an Akif Pirincci. Der, wie ich finde nur einen guten Roman in seinem Leben geschrieben hat. Ich habe dieses Buch aus Protest verschenkt. Gelesen habe ich es damals, in meiner Kriminalroman-Phase. War keine gute Phase, ich mag keine Kriminalromane. Ich denke daran wie das letzte Buch hieß welches ich gelesen habe. Ich denke an die Lehren des Don Juan Matus, an Carlos Castaneda. Ich ziehe noch einen letzten Zug an meiner Zigarette, trinke noch einen letzten Schluck aus der grünen Bierflasche und ich denke, dass ich viel zu oft hier draußen auf dem Balkon stehe und mir all diese Gedanken mache, während alle anderen Familienmitglieder friedvoll unter ihren Kuscheldecken liegen und schlafen.

Sonntag, 4. September 2016

Zweifelsohne 1



Ich höre teuflisch guten Sound, aus teuflisch guten Lautsprechern, höre auserwählte Musik, abgespielt von einem System, welches ich in dieser Konstellation nie zuvor gesehen habe.  Hier sitze ich nun, vor meinem Leben 2.0. Mit einem Thorens TD147 Jubilee und Teufel VT 11, habe ich wieder neu angefangen. Angefangen mit dem wohl kleinsten Lautsprecherpaar, so gut wie kein anderes, übertragen, umgewandelt, angeschlossen an vergoldete Bananenstecker und dicken Kupferdrähten mit höchstem Reinheitsgrad. Exakt gleichlang, zu beiden Seiten. Sehr gut regulierbar, scheinbar grenzenlos von einem YAMAHA Natural Sound AV Reveiver RX-V 377, der via Bluetooth und App über das Smartphone von allen Räumen der Wohnung aus steuerbar ist. Dies alles ist mein persönliches, brandaktuelles Glück. Glück, empfinde ich wenn meine Finger über meine kabellose Microsoft-Tastatur gleiten. Ich gleite wie ein Surfbrett über die Wellen. Wellen, die ich nehme wie ein Reiter, welcher reitet geschwind von einem Traum zum nächsten. Doch was heißt das schon? Das Glück sollte ich leben. Nicht nur wahrnehmen. Der Wandel, die Zeit, ach herje, ich nehme doch schon so viel wahr. Doch leben, leben ist etwas anderes. Was ist das schon?

Zweifelsohne 2


Was soll all das RimmBamBorium, der ganze SchnickSchnack, um eindringlich etwas zu fühlen, was es ja doch nicht wirklich gibt. Alles nur künstlich erschaffen, nur existent, damit wir etwas haben worüber Mann sich gerne unterhält. Abschweifend, fern der Realität. Ganz ohne sinnestrübende Giftstoffe, ganz ohne den Stoff, aus dem die schwermütigsten Alpdrücke längst vergangener Tage bestehen. Bestand hat nur die Wahrheit. Da besteht kein Zweifel. Denn ich zweifle nicht mehr, zumindest nicht an mir selber!

RePhono