Freitag, 25. November 2011

Im ewig grüne Park des Lebens




Heute bog er weder links noch rechts ab, er ging geradeaus. Geradewegs den Pfad entlang. Entlang des kleinen Sees am Park. „Ist das etwa der ewig grüne Park des Lebens? So hatte ich ihn aber nicht in Erinnerung.“, dachte er sich kopfschüttelnd und sehr stark entsetzt.

Er sah rostige Bänke und überquellende Abfalleimer. Seinen Blick über den See werfend, sah er des weiteren eine tote Ente, kopfunter. Ihr lebloser Körper trieb über die unruhige, tief schwarze, Licht absorbierende Oberfläche des Sees. 

Er sah billige Supermarkt-Spirituosen in den Händen von trinkenden, rauchenden, mitten auf dem Weg stehenden, perspektivlosen Jugendlichen, die jeden ihrer im Kauderwelsch gesprochenen Worte, aus den Tiefen ihrer Hälse ziehend, zu Boden spuckten.

Er ging geradeaus. Geradewegs den Pfad entlang. Er ging mitten durch faulen, himmelhoch jauchzenden, arbeitslosen Unrat und achtete dabei sorgsam auf jeden seiner Schritte, damit nichts Schleimiges, Ekeliges unter seiner Sohle klebte.


Abwechselnd, mal von links und mal von rechts überholten ihn ältere Damen. Manche mit Gehstock, manche mit "Top-Sport-Rollatoren" und manche in Turnschuhen, wohl möglich auf orthopädischen Einlagen gebettet.

Rentnerinnen, leicht beängstigt, stur nach vorn blickend. Keinesfalls grüßende alte Damen, die, die Welt, die Jugend von heute schon lange nicht mehr verstanden . „Wo sind all jene, Zigarre rauchenden Herren von damals geblieben?“, fragte er sich. „Sie sind schon alle tot und längst beerdigt“, antwortete ihm seine innere Stimme.

Desweiteren sah er einen Mann am Ufer des Sees, im ewig grünen Park des Lebens stehen. Dieser Mann sah dünn und abgemagert aus. Die Leichenblässe in seinem Gesicht ergab einen starken Kontrast zu der unruhigen Wasseroberfläche.

Rauchend und Bier trinkend stand dieser kranke Mensch am Ufer und ließ sich mit Kopf und Harren, mit Haut und Knochen  von dem alles absorbierenden See verschlingen.

„Wäre ich doch lieber links oder rechts abgebogen.“, sagte er zu einer im Abfall wühlenden, fassadengrauen Stadttaube am Wegesrand, die plötzlich von einer auf sie herab stürzenden Krähe gepackt, zerfleischt und gierig gefressen wurde.  


„Welch ein erschreckender Anblick!“, dachte er sich.