Sonntag, 11. Dezember 2011

Lebe lieber langsam





Manchmal fahren sie ihr kostbarstes Gut, das Leben, welches ihnen wurde nur einmal gegeben, sehr hart am Limit. Bewusst, oder unbewusst, am Ende heißt es dann: „Hätte ich es doch besser gewusst, dann hätte ich...“  

Vollgas, Endgeschwindigkeit, auf Feuerrädern am frühen Morgen und in der Nacht. Auf der Bahn, schnurstracks geradeaus, Vollgas, Endgeschwindigkeit. Durch Alleen, rechts und links dicke, wuchtige Bäume, hoch und höher noch als Häuser. Über Land- und Bundesstraßen, vorbei an  hungrigen, Sonnenlicht fressenden Photovoltaikanlagen, vorbei an nonstop rotierenden Windrädern, ganz schnell vorbei, mit Vollgas, Endgeschwindigkeit. 

Eine Geschwindigkeit die keine Ampel, kein Schild und Starenkasten zu mindern vermag.


Ein äußerst markanter Fahrstil, hart am Limit, vorbei geleitet von lichtreflektierenden Markierungen auf der Fahrbahn, vorbei geleitet an den vorgeschriebenen Richtungen, dem Strafgesetzbuch. 
Manchmal fahren sie ihr kostbarstes Gut, das Leben, welches ihnen wurde nur einmal gegeben, sehr hart am Limit und fühlen dabei ihren malträtierten Körper nicht mehr. Wie verlorene, die sich hoffnungslos im Schilderwald verirrt haben.

Tag für Tag schalten sie in den letzten Gang. Vollgas, von null auf einhundert achtzig, wenn es sein muss auch mit kaltem Ottomotor, in null Komma nichts Sekunden, rasen sie dahin und verbrennen teuren Sprit bis dass die Leuchte leuchtet.

Aus weiter Ferne ertönt ein Alarmsignal welches sie, schon lange nicht mehr hören.


Monströser Stress, Tag für Tag, sei es auf der Arbeit, schneller, schneller, besser, besser, mehr, mehr, weiter, weiter. „Siehst Du die Schweißperlen auf meiner Stirn? Die kommen nicht vom herumstehen!“


Exorbitanter Stress,  Tag für Tag, sei es im  Alltag, Lebensmittel einkaufen, kaufen, kaufen, Essen kochen, Essen essen, Ping Pong,  hin und her, zwischen Ekel und Genuss, Ressourcen für den Eimer und die Kloake.


Monumentaler Stress, Tag für Tag, sei es in der  Freizeit, erst Fitness, dann Shoppen dann mal wieder so richtig k****n gehen.

Sie fahren ihr Leben, das kostbarste Gut, gegen die Leitplanke, gegen den Brückenpfeiler, gegen die Wand. 

Ein Leben, so schnell, wie ein unwahrscheinlich schnell wirkendes Abführmittel.         

2 Kommentare:

abraxandria hat gesagt…

ein sehr schöner titel!
ein tiefgründiges thema.
gut, dass du das ansprichst.
man sollte sein ganzes leben viel langsamer und bewußter leben. es rauscht sonst an einem vorbei. und wir haben gar nichts davon.
nur, ist es so schwer, mit stress umzugehen!

Ihsan hat gesagt…

Auch wenn ich z.Z. nicht wirklich Stress geplagt bin(bzw. mich nicht stressen lasse), finde ich es emens wichtig im Einklang zu leben.

Im Einklang mit sich selbst und seiner Umgebung.

Aber wem sagst du das, auch mir fällt es nicht immer leicht abzuschalten.

Wir leben nun einmal in einer sehr schnelllebigen Zeit, da ist es von Nöten, auch mal auf die Bremse zu drücken ;D

Mit absolut stressfreien Grüßen,

Ihsan.